Vereinsgeschichte des SSV Lommatzsch


Liebe Lommatzscher Sportanhänger

Wie schnelllebig ist doch unsere heutige Zeit. Vier Jahre besteht nun bereits unser Verein unter seinem neuen heutigen Namen. Wie war es dazu gekommen? Die Umbildung ab 1990 in unserem Lande machte auch vor dem Sport nicht Halt. So wurde am 27.6. 1990 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung aus der ehemaligen BSG Traktor Lommatzsch die neue SSV Lommatzsch 1923 e. V. gegründet. Man ließ sich etwas vom Gründungsjahr der Handballabteilung leiten.

Große Verdienste bei der Gründung und Neuordnung unseres Vereines hatten die damaligen „Chefs" Frank Lehmann und Eberhard Löwe. Völliges Neuland kam auf unseren Verein, aber auch auf die anderen Vereine zu. War es die Selbstverwaltung, die Finanzen, der eingetragene Verein als solcher. Begriffe wie Gemeinnützigkeit, Vereinszweck mussten mit Inhalt gefüllt werden. Vereinssatzung und Beitragssatzung wurden erarbeitet und die Mitgliedschaft beim Landessportbund Sachsen beantragt. Diese bekamen wir unter der Mitgliedsnummer 82055 am 13. 9. 1991 zuerkannt. Unser Verein hatte bis dahin drei Abteilungen (Handball, Kegeln, Allgemeiner Sport).

 

Mit dem 1. 6. 1992 traten die Volleyballer des SV Traktor Wuhnitz unserem Verein bei. Unser Verein hat heute mit seinen vier Abteilungen ca. 250 Mitglieder. 1992 waren es noch 190 Mitglieder. Die Handballabteilung bringt mit 160 Mitgliedern den größten Anteil. Mit etwas Stolz können wir sagen, dass in der Nachwuchsabteilung 90 handballbegeisterte Kinder und Jugendliche dem runden Leder nachjagen und regelmäßig trainieren und im Wettkampfbetrieb stehen. Der Kinder- und Jugendbereich ist die Basis und das Fundament für unsere erfolgreichen Erwachsenenmannschaften. Es kann also gar nicht anders sein, dass wir diesem Altersbereich unsere besondere Fürsorge und Aufmerksamkeit schenken.

 

Leider fehlt es uns nach wie vor an Betreuern und auch Übungsleitern für unsere Mannschaften. Bei dieser Gelegenheit geht der AUFRUF UND APPELL an unsere sportbegeisterten Eltern, sowie ältere Sportkameraden, helft uns bei der Aufrechterhaltung unseres Trainings- und Wettkampfbetriebes der Nachwuchsmannschaften, meldet Euch im Interesse unserer schönen Sportart Handball.

 

Für die Saison 1994/95 sind für den Spielbetrieb auf den unterschiedlichsten Ebenen gemeldet: 10 Handballmannschaften, 3 Kegelmannschaften, 1 Volleyballmannschaft. Vom Anpfiff bis zum Abpfiff, dem letzten entscheidenden Aufschlag und der letzten siegbringenden Kugel der Saison und beim Training wünscht der Vorstand allen Aktiven, Trainern und Betreuern gute Gesundheit und sportliche Erfolge - uns anderen aber viel Freude bei den Sportarten in unserem Verein!
Der Vorstand

 

Liebe Handballfans von Lommatzsch und Umgebung!

 

Herbst 1958 genau am 23.11., Lommatzsch uns sein begeistertes Handballvölkchen jubelten. Die Männermannschaft der Betriebssportgemeinschaft Traktor Lommatzsch hatte den Aufstieg in die höchste Spielklasse der DDR geschafft. Der Traum eines jeden Sportlers im eigenen Land in der höchsten Region- Oberliga - mitzuwirken, war für 13 Spieler in Erfüllung gegangen. Schon viele Jahre vorher war es das Bestreben der Vereinsleitung, mit Gerhard Meyer an der Spitze und den Mitgliedern Helmut Elschner, Heinz Schumann, Karl Fröhlich und den Übungsleitern Karl Fröhlich, Lothar Krause, Helmut Elschner, Peter Kusch, Horst Holzen, Manfred Schilling, H.-J. Heuert und Jürgen Bischoff der Kinder- und Jugendarbeit ein besonderes Augenmerk zu schenken. Durch viele Kleinarbeit konnte sich im Laufe der Zeit eine schlagkräftige Männermannschaft entwickeln. Der Handballmeister des Bezirkes Dresden der Männer Traktor Lommatzsch hatte sich nach zweimaligem Anlauf mit einem klaren 13:8 Sieg über Wismut Aue am 4. 11. 1956, bei Frostgraden und 10 cm Neuschnee auf neutralem Platz in Freiberg den Aufstieg in die DDR-Liga (2. Liga) erkämpft. Große Verdienste hatten: der Technische Leiter Gerhard Meyer, der Trainer Rudi Michalke sowie die Spieler Hans-Jürgen Lüdecke, Kurt Starke, Helmut Elschner, Heinz Fritzsche, Hans-Joachim Kliche, Manfred Schilling, Walter Zimmermann, Gerd Holzen, Herbert Kluge, Wolfgang Schubert, Walter Härtner, Helmut Dürschke, Wilhelm Gültner. Das Spieljahr 1957 brachte für die einheimische Männermannschaft wieder einen Erfolg. In der DDR-Liga Staffel 2 wurde auf Anhieb der Staffelsieg erkämpft. Die darauffolgenden Aufstiegsspiele zur Oberliga konnten aufgrund der anstrengenden vorangegangenen Punktspiele nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Nach dem erneuten Staffelsieg der DDR-Liga Staffel 2 im Jahr 1958 ging es in die schweren Aufstiegsspiele (Heim- und Rückspiele) gegen die Sieger der anderen 3 Staffeln. Folgende Mannschaften hatten sich dafür qualifiziert: Dynamo Halle, Motor Fraureuth und der ArmeesportvereinNeubrandenburg. Gegen Halle wurde daheim 19 : 19 gespielt, während auswärts 13 : 9 gewonnen wurde. Der Armeesportverein wurde in Neubrandenburg 15:11 und in Lommatzsch mit 10:5 bezwungen. Motor Fraureuth brachte mit 8 : 7 den Lommatzschern die einzige Niederlage bei. Im Auswärtsspiel reichte den Lommatzschern ein mageres 6 : 6 zum 2. Platz, der zum Aufstieg mit 8 : 4 Punkten hinter Halle mit 9 : 3 Punkten reichte. Den Staffelsieg in die DDR-Liga und den Aufstieg in die DDR-Oberliga erkämpften:

 

  • Tor: Walter Härtner, Wolfgang Schubert
  • Verteidigung: Wilhelm Gültner, Rolf Heinert, Rolf Sternberger
  • Läuferreihe: Walter Zimmermann, Manfred Schilling, Helmut Dürschke, Herbert Kluge
  • Sturm: Heinz Fritzsche, Peter Lantzsch, Kurt Starke, Wolfgang Fest, H.-J. Kliche, Fritz Werner

 

 

 

1959 begann für die Spieler und Leitungsmitglieder eine schwere und aufopferungsvolle Zeit. Zwei Schwerpunktprobleme mussten gelöst werden: 1. Training der Mannschaft 2. Fahrtmöglichkeiten zu schaffen Das Training wurde von Anfang des Jahres bis zum Punktspielbeginn im April vom Spieltrainer Manfred Schilling 2x wöchentlich geleitet. A?Da es noch keine Freistellungen von der Arbeit für Mannschaften ohne große Trägerbetriebe gab, wurde nach der regulären Arbeitszeit, also ab 17.00 Uhr trainiert. Während der Wettspielsaison wurde der Sportlehrer Horst Fischer von der Technischen Hochschule Dresden verpflichtet. Die Fahrtmöglichkeiten waren noch problematischer. Das Mieten eines Busses war aus finanziellen Gründen nicht möglich und die Benutzung der Eisenbahn war aus Zeitgründen nicht akzeptierbar. Denn es muss erwähnt werden, dass die Spiele zu 90 % sonntags 11.00 Uhr angesetzt wurden und somit wenig Zeitspielraum blieb. An eine Übernachtung auswärts oder die Bezahlung eines Mittagessens konnte zur damaligen Zeit noch nicht einmal gedacht werden. So wurde mit dem Lastkraftwagen H3 A mit Holzbänken und Plane ohne Fenster fast alle Strecken zu den Spielorten gefahren (2 Strecken wurden mit Privatpersonenkraftwagen absolviert, Eisenach und Magdeburg). Auch an einen Samstagspieltag konnte noch nicht gedacht werden, da bis 12.00 Uhr bzw. 13.00 Uhr gearbeitet wurde. Heimspiele wurden auch ausnahmsweise mittwochs 18.00 Uhr angesetzt. Für die Lommatzscher Mannschaft ein Kraftakt. Bis 16.30 Uhr wurde gearbeitet und anschließend ging es im Laufschritt zum Sportplatz. Viele der Mannschaften reisten schon am Vormittag oder einen Tag vorher an, inspizierten den Platz (es war der einzige Hartplatz), trainierten, bereiteten sich auf das Spiel vor oder übernachteten in Meißen oder Dresden. Es war für die Spieler der Männermannschaft schon ein „Hartes Brot", aber wie sie es gemeistert hat, ohne den ganz großen Erfolg zu ernten, der da hieß „Klassenerhalt", war lobenswert. Und auch die 800 bis 1000 Zuschauer, die zu den Heimspielen erschienen, kamen auf ihre Kosten. Einmal konnten sie alle Auswahlspieler unseres Landes (DDR war eine der führenden Mannschaften in der Welt) sehen und zum anderen verkauften sich die Lommatzscher Spieler sehr teuer. Bis zur Halbzeit konnte sich die Elf behaupten bzw. sogar einen Vorsprung erzielen, aber in der 2. Periode war der KräftA?eabfall so stark, daß eine Niederlage in den meisten Fällen unumgänglich war. Obwohl keiner zu Beginn der Punktspiele an den Abstieg gedacht hatte, wir waren optimistisch, mußten wir am Schluß in den sauren Apfel, sprich Abstieg, beißen. Abgestiegen in die 2. Liga, 1960 wieder Staffelsieger, Aufstiegsrunde zur Oberliga gut gemeistert, 1961 Oberligasaison mit den gleichen Voraussetzungen und Problemen und wieder Abstieg. Aber all das hat dem Lommatzscher Handball nicht geschadet. Noch heute wird rührig in Sache Handball gearbeitet und somit unsere Stadt würdig im Sachsenland vertreten.
Manfred Schilling

 

Markante Meilensteine des Lommatzscher Handballs

 

  • 15. 4. 1848 Gründung des bürgerlichen TV 1848 Lommatzsch
  • 30. 7. 1911 Gründung der Spielabteilung mit Faustball als erster Sportart
  • 1917 entwickelte Frauenturnwart Max Heiser ein handballähnliches Spiel - es war die Geburtsstunde des Handballspieles
  • 17. 8. 1923 erstes Handballspiel in Lommatzsch (Paltzschener Wiesen) Einreihung der Lommatzscher Mannschaft in den Gau Nordwestsachsen -Auswärtsspiele: Zu den Spielorten nur mit dem Fahrrad
  • 1946 Gründung der SG Lommatzsch
  • 1950 Gründung der BSG „Traktor" Lommatzsch
  • 1956 Aufstieg der Männermannschaft in die DDR-Liga (Großfeld)
  • 1956 u.1957 Männliche Jugend B DDR-Meister
  • 1958 u.1960 Aufstieg der Männer in die Großfeld-Oberliga
  • 1974 DDR-Meister der Mädchen B (11 /12 Jahre)
  • 1976 Einweihung der Lommatzscher Sporthalle
  • 1979 Aufstieg der Frauenmannschaft in die DDR-Liga (Halle)
  • 1989 Hallenbezirksmeister der Männer
  • 26. 6. 1990 Umbenennung des Vereins in SSV Lommatzsch 1923 e.V.